Reifen und Bremsen warmfahren: Die erste Runde mit Plan.

SG

Salvatore GangarossaGründer der WMR Academy, ehemaliger Formel-BMW-Fahrer · 4 Min. Lesezeit

Viele Dreher passieren nicht am Limit. Sondern in den ersten Runden eines Turns, wenn das Tempo noch gar nicht hoch ist.

Kalt ist alles anders.

Kalte Reifen haften weniger, kalte Beläge greifen schwächer. Der Bremspunkt von vor der Pause ist dann oft zu spät.

Wie du die erste Runde fährst, ohne sie zu verschenken – und welcher Fehler nach jeder Pause wieder lauert, liest du jetzt.

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Warum kalte Reifen weniger Grip haben

Reifen haben einen Temperaturbereich, in dem sie am besten haften – das sogenannte Arbeitsfenster. Darunter ist die Gummimischung härter und baut weniger Haftung auf, beim Bremsen genauso wie beim Einlenken.

Zu Beginn eines Turns, nach dem Warten in der Boxengasse oder nach einer längeren Pause liegen die Reifen darunter. Genau dann passieren viele Dreher und Ausritte, obwohl das Tempo noch gar nicht hoch ist.

Auch die Bremse will warm sein

Bremsbeläge und Scheiben arbeiten ebenfalls in einem bestimmten Temperaturbereich. Gerade Beläge für den Rennstreckeneinsatz greifen kalt oft spürbar schwächer als im warmen Zustand.

Deshalb gilt in den ersten Bremszonen: lieber etwas früher bremsen und spüren, wie die Bremse reagiert, statt sofort den gewohnten Bremspunkt anzufahren.

So fährst du die erste Runde

Die erste Runde ist keine verlorene Runde. Sie ist die Vorbereitung für alle schnellen Runden danach.

  • Früher und gefühlvoll bremsen, Bremsdruck trotzdem zügig aufbauen.
  • Sanft einlenken, keine abrupten Lenkbewegungen.
  • Gas weich dosieren, besonders am Kurvenausgang.
  • Tempo von Runde zu Runde steigern, nicht sprunghaft.

Woran du merkst, dass alles bereit ist

Das Auto fühlt sich gebundener an, die Lenkung präziser, die Bremse greift gleichmäßig. Wie lange das dauert, hängt von Reifen, Auto, Außentemperatur und Strecke ab – meist reichen ein paar Runden.

Wer Reifendruck misst, sieht es auch dort: Mit der Temperatur steigt der Druck. Darum lohnt es sich, warm nachzumessen.

Typische Fehler im ersten Turn

Der häufigste Fehler ist, die letzte schnelle Runde des vorherigen Turns im Kopf zu haben und genau dort weiterzumachen. Der Bremspunkt, der vor der Pause noch gepasst hat, ist mit kalten Reifen oft zu spät.

Ein zweiter Klassiker: zu viel Gas am Kurvenausgang. Kalte Hinterreifen bauen weniger Seitenführung auf, das Heck kann früher kommen als erwartet. Gib deshalb in den ersten Runden besonders gefühlvoll Gas und öffne die Lenkung, bevor du beschleunigst.

Und schließlich: Hektik in der Boxengasse. Nimm dir die Zeit, Gurte, Helm und Spiegel zu prüfen. Wer ruhig losfährt, fährt meist auch die erste Runde ruhiger.

Nach jeder Pause wieder von vorn

Reifen kühlen schneller ab, als man denkt – beim Warten an der Box, in einer Gelbphase oder nach einer Abkühlrunde. Behandle die erste Runde danach wieder wie eine Aufwärmrunde.

Deine Checkliste

  • Erste Runde bewusst ruhiger gefahren
  • Erste Bremszonen früher angefahren
  • Lenkung und Gas sanft dosiert
  • Tempo Runde für Runde gesteigert
  • Nach Pausen wieder warmgefahren
  • Reifendruck warm nachgemessen

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Soll ich Schlangenlinien fahren, um die Reifen zu wärmen?
Das regelt der Veranstalter – auf vielen Trackdays ist es unerwünscht. Sauber und progressiv zu fahren bringt die Reifen zuverlässig auf Temperatur.
Wie viele Runden brauche ich zum Aufwärmen?
Das hängt von Reifen, Außentemperatur und Strecke ab. Meist reichen ein paar Runden – entscheidend ist, wie sich das Auto anfühlt.
Gilt das auch im Sommer?
Ja. Auch bei warmem Wetter brauchen Reifen und Bremsen ein paar Runden, bis sie im Arbeitsfenster sind.
Ich habe keine Erfahrung. Geht das trotzdem?
Ja. Die meisten starten bei uns ohne Rennerfahrung. Wo du stehst und was der passende nächste Schritt ist, besprechen wir im Workshop.
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